Sanieren im bewohnten Zustand - Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Praxis
Montag, 16. März 2026
Die GBC im Gespräch mit Christian Lichte, Leiter Projektausführung, und Sandro Meier, Bauleiter der Aula AG.
Interview: Tanja Süssmeier
Auszug aus dem Jahresbericht 2025 der GBC
Von Juni bis Dezember 2025 wurde an der Mugerenstrasse 5 gedämmt, gebohrt, erneuert – und das, ohne die Bewohnerinnen und Bewohner auszuquartieren. Die besondere Mischung aus technischer Komplexität, engem Terminplan und einem Umfeld mit vielen älteren und beeinträchtigten Menschen machte die Sanierung zu einem aussergewöhnlichen Projekt.
Wie würdet ihr die Sanierung im bewohnten Zustand in wenigen Worten zusammenfassen?
Sandro: «Die Sanierung war ausgesprochen intensiv, lehrreich und technisch komplex. Viele Fassadendetails liessen sich erst beim Öffnen beurteilen, entsprechend waren schnelle und gleichzeitig nachhaltige Lösungen gefragt. Besonders positiv überrascht hat mich die konstruktive Haltung der Mieterschaft, die trotz Einschränkungen viel Verständnis zeigte.»
Christian: «Die kurze Vorlaufzeit stellte uns organisatorisch vor hohe Anforderungen. Zudem traten bauliche Punkte zutage, die ohne vertiefte Sondierungen nicht erkennbar gewesen wären, etwa fehlende Fensterdichtungen. Das hat gezeigt, wie wichtig eine sorgfältige Analysephase im Vorfeld ist.»
Was macht eine Sanierung im Bestand so viel anspruchsvoller als einen Neubau?
Christian: «Zentral ist der Faktor Kommunikation. Im bewohnten Zustand sind Abstimmung, Orientierung und Rücksichtnahme entscheidend, besonders bei älteren Menschen oder Personen mit körperlichen Einschränkungen.»
Sandro: «Hinzu kommt die bauliche Komplexität im Bestand: Viele Gegebenheiten werden erst beim genauen Hinsehen sichtbar und müssen unmittelbar gelöst werden. Gleichzeitig ist eine hohe Präsenz auf der Baustelle notwendig, um Qualität und Abläufe sicherzustellen.»
Wie seid ihr mit der besonderen Mieterstruktur umgegangen?
Christian: «Wir haben grossen Wert darauf gelegt, Zugänge klar zu führen, Parkplätze für Spitex und Angehörige freizuhalten und die Unternehmer für die Bedürfnisse der Mieterschaft zu sensibilisieren. Sich in den Alltag der Menschen hineinzuversetzen, ist ein zentraler Erfolgsfaktor.»
Sandro: «Viele Bewohnerinnen und Bewohner suchten den persönlichen Austausch – teils mit konkreten Fragen, teils mit Sorgen. Diese Rückmeldungen haben uns geholfen,
pragmatische Lösungen zu entwickeln und Sicherheit zu vermitteln.»
Gab es Begegnungen oder Reaktionen der Mieterschaft, die euch besonders bewegt haben?
Sandro: «Es gab zahlreiche Begegnungen, die mir in Erinnerung bleiben: mit verunsicherten Bewohnerinnen und Bewohnern, aber auch mit solchen, die grosses Interesse zeigten und den Baufortschritt aufmerksam verfolgen wollten.»
Christian: «Die regelmässigen Mieterinformationen haben wesentlich dazu beigetragen, Transparenz zu schaffen und Sicherheit zu geben. Sie waren ein wichtiges Instrument im Umgang mit der Mieterschaft.»
Was war technisch am komplexesten?
Sandro: «Die Fassadenarbeiten waren eindeutig der anspruchsvollste Teil – insbesondere die Vielzahl an Anschlüssen und Details.»
Christian: «Auch die Koordination der verschiedenen Gewerke – von der neuen Wärmepumpe bis zu Fenstern, Türen und Geländern – war herausfordernd.»
Wie habt ihr die Zusammenarbeit mit uns als Bauherrin erlebt?
Sandro: «Die Zusammenarbeit war sehr konstruktiv. Die Nähe zur Verwaltung hat schnelle Abklärungen und kurze Entscheidungswege ermöglicht. Das ist ein entscheidender Vorteil in einem derart dynamischen Projektumfeld.»
Christian: «Für zukünftige Projekte lohnt sich eine vertiefte Analysephase. Sie schafft Planungssicherheit und vermeidet Überraschungen während der Ausführung. Insgesamt war die Zusammenarbeit offen, lösungsorientiert und von gegenseitigem Vertrauen getragen.»
Worauf seid ihr besonders stolz?
Christian: «Auf die hohe Ausführungsqualität und den strukturierten Projektverlauf, trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen. Das Ergebnis überzeugt technisch wie gestalterisch.»
Sandro: «Ich bin stolz darauf, wie gut die Abläufe funktioniert haben und wie die Mieterschaft die Sanierung mitgetragen hat. Unter diesen Voraussetzungen ist das keineswegs
selbstverständlich.»
Welche Erfahrungen nehmt ihr persönlich mit?
Sandro: «Für mich war das Projekt ein wichtiger Entwicklungsschritt: fachlich, organisatorisch und im Umgang mit unterschiedlichen Anspruchsgruppen. Die gewonnenen
Erfahrungen werde ich in zukünftige Sanierungen einbringen.»
Christian: «Auch nach vielen Jahren im Bau lernt man stetig dazu. Solche Projekte zeigen, wie wichtig eine hohe Präsenz, offene Kommunikation und ein wacher Blick für Details
sind.»